Erstveröffentlichung am 03.02.2025 - Allergien, Magengeschwüre, Cushing, Hufrehe, Sehnenschäden: Die Liste der zivilisationsbedingten Pferdekrankheiten ist endlos. Wer hier nur die offensichtlichen Symptome seines Pferdes behandelt, wird damit nicht so bald fertig werden. Auch bei optimalen Haltungsbedingungen können Pferdehalter dem Lauftier Pferd kaum einmal die Umweltbedingungen bieten, für die seinen Organismus und seine Psyche ausgelegt sind. Kein Wunder, dass es wahrscheinlich irgendwann einmal krank wird. Aber vielleicht können wir mit einem besseren Haltungsmanagement und mit ganzheitlichen Heilmethoden dazu beitragen, die Gesundheit unserer Pferde zu stärken.
Was bedeutet Schulmedizin eigentlich genau? Der Ausdruck steht für naturwissenschaftlich belegte Behandlungsmethoden, wie sie an Universitäten und Fachschulen gelehrt werden. Er hat für viele Reiter, die ihre Pferde natürlich behandeln möchten, oft einen negativen Beigeschmack. Zahlreichen Pferdehaltern fallen zum Thema „Schulmedizin“ als erstes Wörter wie chemische Keule, Symptom-Behandlung, Antibiotika oder Cortison ein.
Nicht ganz zu Unrecht, denn bis etwa Anfang 1990 hat die naturwissenschaftliche Medizin Pferdekrankheiten hauptsächlich auf isolierte Ursachen zurückgeführt und entsprechend behandelt [1,2]. In letzter Zeit haben die naturwissenschaftlichen Forschungsmethoden allerdings rasante Fortschritte gemacht. Das hat zur Folge, dass viele Dinge wissenschaftlich erforscht werden, die früher nur als Hokuspokus abgetan wurden. Die meisten Schulmediziner betrachten den Pferdeorganismus mittlerweile auch als ein komplex vernetztes System, das ganzheitlich behandelt werden sollte.
Viele Tierärzte sind sich inzwischen einig, dass Pferde optimal davon profitieren, wenn schulmedizinische Behandlungen und alternative oder komplementäre Therapien miteinander kombiniert werden. Dieser Gesinnungswandel zeigt sich auch darin, dass Medizinstudenten heutzutage beim Staatsexamen gewisse Kenntnisse der Naturheilkunde unter Beweis stellen müssen. [1] Außerdem gibt es mittlerweile viele Pferde-Tierärzte, die Zusatzqualifikationen zur Ausübung von natürlichen Behandlungsmethoden erworben haben.
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„Integrativ“ bedeutet in der Pferdemedizin, dass ein Tierarzt oder eine Pferdeklinik nicht ausschließlich Schulmedizin anwendet. Pferde-Tierärzte mit einer Zusatzausbildung in Naturheilkunde bieten Pferdehaltern bei bestimmten Befunden zum Beispiel oft die Möglichkeit, zwischen dem Ausprobieren einer alternativen Behandlungsmethode und einer naturwissenschaftlich gesicherten, medikamentösen Therapie zu entscheiden. Zumeist geht es in solchen Fällen um chronische Pferdekrankheiten, die häufig besonders von einer ganzheitlichen Behandlung profitieren.
Integrative Veterinärmedizin ist sogar bis in die Pferdekliniken vorgedrungen. In vielen Kliniken gehören jetzt auch schon Pferdeosteopathen und -physiotherapeuten zur Belegschaft. Wenn dein Pferd aus irgendeinem Grund länger in einer Pferdeklinik bleiben muss, können sie dazu beitragen, dass es schneller wieder gesund wird. Außerdem bekommt es bei der Kommunikation mit den Therapeuten Zuwendung und Aufmerksamkeit, was sich positiv auf seine Psyche auswirkt.
Würdest du dein Pferd, wenn es sein muss, am liebsten in so einer Klinik behandeln lassen? Dann finde doch jetzt schon mal heraus, ob es eine passende Pferdeklinik in deiner Nähe gibt. So brauchst du im Ernstfall nicht lange herumzusuchen – und kannst dir vielleicht sogar bei einem Wochenendausflug ein Bild von der Anlage machen. Mit unserer Pferdeklinik-Suchmaschine findest du im Handumdrehen passende Adressen.
Unter den Begriff „alternative Tiermedizin“ fallen alle Therapiemethoden, die nicht naturwissenschaftlich belegt sind. Alternativmedizin und Naturheilkunde bei Tieren ist im Trend, selbst wenn unsere Wissenschaft nicht immer in der Lage ist, ihre Funktionsweise zu erklären. Das häufig geäußerte Argument, alternative Behandlungsmethoden hätten lediglich einen Placebo-Effekt, trifft bei Pferden nicht zu. Sie verstehen ja nicht, warum ein Therapeut gerade irgendetwas tut.
Außerdem ist es ihnen nicht bewusst, dass sie vielleicht gerade ein bestimmtes Heilmittel verabreicht bekommen. Also entwickeln sie auch keine Erwartungshaltung, wodurch die Ergebnisse einer Therapie verfälscht werden könnten. Viele Tierhalter berichten von positiven Erlebnissen mit verschiedenen Methoden der Naturheilkunde – auch, wenn es auf diesem Gebiet noch zu wenige aussagekräftige Studien gibt.
Sogar die WHO investiert mittlerweile in die Erforschung traditioneller Heilmethoden und hat sich zum Ziel gesetzt, zu diesem Zweck belastbare Studienverfahren zu entwickeln [2]. Immerhin kommt es schließlich darauf an, was „unter dem Strich herauskommt“ [3], wenn es um Behandlungserfolge geht. Schließlich ist es doch absurd, ein bewährtes Heilverfahren als unseriös zu erklären, nur weil wir seine Funktionsmechanismen noch nicht verstehen.
„Komplementär“ steht dafür, dass irgendetwas eine bestimmte Sache „komplett macht“ – also ergänzt. In puncto Pferdemedizin gilt das zumeist für Therapieverfahren, die zusätzlich zu schulmedizinischen Behandlungen empfohlen werden. Dabei kann es um klassische Naturheilverfahren wie beispielsweise Pferdephysiotherapie oder Phytotherapie gehen, aber auch um traditionelle Heilmethoden wie TCM oder Homöopathie.
Die sogenannte „Regulationsmedizin“ gehört ebenso zu den alternativen oder komplementären Diagnose- und Heilverfahren. Sie soll etwaige Störungen der Regulationsmechanismen eines Organismus aufdecken und/oder diese beheben können. Dabei geht es zum Beispiel um Naturheilverfahren wie Magnetfeldtherapie, Eigenbluttherapie, Matrix-Rhythmus-Therapie oder manuelle Verfahren (wie beispielsweise die bewährte Lymphdrainage) [4,5].
Hier haben wir eine Liste von Naturheilverfahren für Pferde zusammengestellt, die auch bei Menschen angewandt werden:
Du hast bestimmt schon davon gehört, dass die meisten Pferdekrankenversicherungen hauptsächlich die Kosten für schulmedizinische Behandlungen übernehmen. Das hat folgenden Grund: Bei naturwissenschaftlich anerkannten Therapiemethoden wurde der Zusammenhang von Ursache (z.B. Medikament) und Wirkung durch mehrere Studien belegt. Deshalb gehen die Tierkrankenversicherungen davon aus, dass diese Methoden besser funktionieren, als alternative Heilverfahren.
Um die Wirksamkeit eines Medikaments nachzuweisen, werden sogenannte „Doppelblindstudien“ durchgeführt. Dabei erhält eine möglichst große Gruppe von Patienten mit einer bestimmten Diagnose entweder das zu prüfende Medikament oder ein Placebo, das keine Wirkstoffe enthält. Die „Versuchskaninchen“ wissen natürlich nicht, ob sie das eine oder das andere einnehmen. Nach einer bestimmten Zeit vergleichen dann die Wissenschaftler bei beiden Gruppen die Reaktionen auf die Behandlung [3].
Stellt sich heraus, dass die Ergebnisse bei beiden Gruppen gleich sind, gehen die Mediziner davon aus, dass das getestete Heilmittel wirkungslos ist. Wenn sich aber die Ergebnisse bei der Gruppe, die das „echte“ Medikament eingenommen hat, deutlich von der Placebo-Gruppe unterscheiden, gilt das als wissenschaftlicher Nachweis für die Wirksamkeit des Präparats. Die großen Pharmakonzerne investieren jedes Jahr Milliarden in Doppelblindstudien, um die Wirksamkeit neuer Arzneimittel nachzuweisen [3].
Nun ist dieses Verfahren aber nicht zum Nachweis der Wirksamkeit von Naturheilverfahren wie beispielsweise Akupunktur, Kinesiologie oder Bachblütentherapie geeignet. Deshalb fordern viele Anhänger der Naturheilkunde, dass auch sogenannte „Beobachtungsstudien“ als naturwissenschaftliche Nachweise für die Wirksamkeit einer Therapie zugelassen werden sollen. Sogar ein ehemaliger Präsident der Berliner Bundesärztekammer ist dieser Ansicht [3]. Aber bisher hat sich da leider noch nichts bewegt.
Ein Teil der Antwort hast du wahrscheinlich bereits im vorherigen Kapitel gelesen. Der Erfolg vieler Therapien in der ganzheitlichen Tiermedizin lässt sich einfach nicht mit dem aktuell üblichen Prinzip von Ursache und Wirkung messen [3]. Hinzu kommt, dass wissenschaftliche Studien viel Geld kosten.
Pharmakonzerne haben ein wirtschaftliches Interesse an wissenschaftlichen Studien zum Nachweis der Wirksamkeit ihrer neuen Medikamente. Also finanzieren sie entsprechende Bemühungen der Wissenschaftler. Aber Therapeuten, die Pferde alternativ behandeln, sind zumeist in Verbänden organisiert – und die haben, im Vergleich zur Pharmaindustrie, ein eher geringes Budget und können sich solche Investitionen kaum leisten.
Manche Futtermittelhersteller würden bestimmt auch gerne die Wirksamkeit ihrer Kräutermischungen für Pferde wissenschaftlich nachweisen lassen. Rein theoretisch wäre so etwas durch eine Doppelblindstudie machbar. Aber zum einen müsste diese Studie erst einmal finanziert werden – und zum anderen schwankt die Menge der Inhaltsstoffe von Kräutern je nach Herkunftsland und Erntezeitpunkt. Also wäre es schwierig, die Ergebnisse einer solchen Studie zu verallgemeinern.
Schon Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, hat vor rund 200 Jahren einmal gesagt: „Wer heilt, hat recht“. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass ein bestimmtes Naturheilmittel für Pferde auch für dein eigenes Tier geeignet ist, nur weil jemand aus deinem Stall es erfolgreich bei seinem eigenen Tier eingesetzt hat. Es gibt viele Faktoren wie zum Beispiel die Haltungsweise, die Fütterung und psychologische Aspekte, die den Erfolg einer alternativen Therapie bei Pferden beeinflussen. Deshalb sollte die Behandlung genau auf dein Pferd zugeschnitten sein.
Bei akuten oder schweren Krankheiten ist es wohl selbstverständlich, dass du deinen Pferdetierarzt zur Diagnose hinzuziehst und dich auf seine Behandlungsempfehlungen verlässt. Er hat das Ganze schließlich viele Jahre lang studiert. Du kannst ihn natürlich auch um seine Meinung zu einer komplementären Behandlung mit einem Naturheilmittel für Pferde bitten. Bei altersbedingten Beschwerden wie beispielsweise Arthrose und chronischen Krankheiten wie COPD oder EMS hat ganzheitliche Pferdemedizin schon häufig gute Resultate erbracht. Aber auch in solchen Fällen ist es besser, dich vor einer Behandlung mit deinem Tierarzt abzusprechen.
• Schulmedizin ist das, was Studenten der Veterinärmedizin an der Universität lernen.
• Alle anderen Behandlungsmethoden gehören zur Komplementär- oder Alternativmedizin.
• Die Wirksamkeit von Behandlungen wird durch Doppelblindstudien belegt.
• Bei Naturheilverfahren für Pferde ist das nur selten möglich.
• Die meisten natürlichen Heilmethoden für Pferde basieren auf Erfahrungswerten.
• Sie können besonders bei chronischen Zuständen gute Ergebnisse bringen.
• Vor dem Einsatz von alternativen Heilmethoden für Pferde: Tierarzt konsultieren!
Quellenangaben
2) https://www.who.int/health-topics/traditional-complementary-and-integrative-medicine#tab=tab_1
Diese Seite soll Pferdehaltern Informationen über eine Pferdekrankheit, deren Symptome, die Diagnose, sowie deren Behandlung durch einen Tierarzt vermitteln. Diese Informationen sind nicht dazu geeignet, die Beratung oder die Behandlung durch einen Tierarzt zu ersetzen. Sie eignen sich nicht dazu, Pferdehaltern zu vermitteln, wie sie eigenständig medizinische Behandlungen vornehmen können.
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Redaktionelle Mitarbeit: Nelly Sophie Lönker, Medizinredaktion
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